Artists statementIch arbeite schwerpunktmäßig mit serieller Malerei. Dabei nutze ich als Vorlagen mediale Archive wie z.B. Auktionskataloge oder Photodokumentationen, die reale Architekturen abbilden. Diese Orte werden von mir nie aufgesucht und somit nie räumlich erfahren. Oftmals existieren diese Architekturen nicht mehr. Ich betreibe eine Archäologie der Gegenwart indem ich auf der Bildoberfläche Schicht für Schicht der verschwundenen Häuser rekonstruiere. Dabei nutze ich die Leerstelle der Architekturen als Projektionsfläche und spüre fiktiv Biografien nach. Die Bildvorlagen gehen durch mich hindurch und so entstehen endlosen Serien von „Seelenhäuser“, so auch der Titel des skulpturalen Werkteils.
Die tote Stadt - Im Moloch der MeditationBerlin - Stadt pulsiert, lebt, unaufhörlich, ununterbrochen. Wie kann ein solcher Ort zum Mittelpunkt der Meditation, des Innehaltens werden, eine „Kirche des Gewesenen“ gar? Im Kronenboden von Karen Stuke gibt die Künstlerin Sonja Blattner ab Ende September mit ihren Skulpturen und Gemälden in einer neuen Ausstellung Antworten darauf. Erinnerungen an Korngolds „Die tote Stadt“ sind erwünscht. Der Kronenboden hat sich im vergangenen Jahr den Ruf erarbeitet, ebenso ausgefallene wie künstlerisch hochwertige Veranstaltungen zu organisieren. Mit der Ausstellung „Die tote Stadt“, die Bilder und Skulpturen von Sonja Blattner zeigt, ist ab Ende September wieder ein besonderes Erlebnis zu erwarten. „Die tote Stadt“, von Erich Wolfgang Korngold komponierte und 1920 in Hamburg und Köln uraufgeführte Oper, erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich nach dem Tod seiner Frau in ein Zimmer in Brügge - die „Kirche des Gewesenen“ - zurückzieht, um sich der Trauer hinzugeben. In seinem Rückzug, seiner Meditation, seinem Innehalten erscheint eine andere Frau, die ihm seine wahre Liebe abverlangt. Das endet mit dem Tod der Frau und dem Abschied des Protagonisten von der Stadt. Rückzug, Flucht aus dem Moloch als Lösung? Sonja Blattner bezieht einen anderen Standpunkt. Aus ihrer Sicht ist gerade die Stadt mit ihren dunklen Straßenzügen der Rückzugspunkt, um zur Ruhe zu kommen, einen Ruhepunkt zu finden. In der ganzen Zerrissenheit, im Auseinanderfallen, ist nicht die Abkehr von der Stadt die rechte Lösung, sondern das sich Einlassen, die Hinwendung verspricht die wahre Meditation. Sie zitiert Matisse: „Schwarz ist die Farbe des Lichts.“ Schwarz saugt das Licht in sich auf und glänzt und leuchtet so viel mehr als alle anderen Farben. Sonja Blattner, geboren 1955 in Konstanz, hat Philologie in Mainz studiert. Nach dem Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin wurde sie 1996 zur Meisterschülerin Karl-Heinz Herrfurths ernannt. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Lichtung - Atelierhof WerenzhainSonja Blattners fragilen Häusern auf Stelzen haftet eine Lebendigkeit an, die von der Materialität ausgeht, aber auch von der räumlichen Anordnung der unterschiedlichen Objekte. Sind dies Häuser oder nicht doch Lebewesen, die sich hier im großen Kiesraum der Galerie eingefunden haben? In ihrer verletzlichen Schönheit lässt sich Menschengeschichte und Schicksal ablesen.
Lausitzer Rundschau, 2009
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